
Ein kleines Märchen
Stellen Sie sich einmal vor, vor ihnen steht plötzlich eine Fee. Sie sagt ihnen, sie hätten 30 Wünsche frei und sollen sie ihr nennen. Anfangs sprudelt es nur so aus ihnen heraus, doch sie müssen sich immer mehr anstrengen, damit ihnen noch weitere Wünsche einfallen. Die Fee hört ihnen geduldig zu. Nachdem sie alle Wünsche zusammengetragen haben, fragt sie die Fee, ob es auch wirklich dabei bleiben soll. Dies bejahen sie, lehnen sich zurück, und warten nun auf die Erfüllung ihrer Wünsche.
Plötzlich macht es ein leichtes Plopp und die Fee ist verschwunden. Statt ihrer liegt ein großes Stück Pergament vor ihnen, auf dem Ihre Wünsche sorgfältig aufgeschrieben stehen. Sie schauen sich verwundert um, wo denn die Fee geblieben ist, können sie aber nirgends entdecken. Erst verwundert, dann enttäuscht setzen sie sich hin und fangen furchtbar an zu schluchzen. Es wäre auch zu schön um wahr zu sein, wenn sich ihre Wünsche auf diese Art erfüllen würden.
So sieht es glaube ich im Herzen vieler Menschen aus. Sie wünschen sich eine Fee, die ihnen ihre Wünsche erfüllt. Es gibt sogar sehr viele Menschen, die nicht einmal in der Lage sind auch nur annähernd 30 Wünsche zusammentragen zu können. Sie können nun, bildlich gesprochen, für den Rest ihres Lebens sitzen bleiben und mit ihrem Schicksal hadern, sich bedauern. Oder sie nutzen dieses "brainstorming" mit der Fee für sich (es war nämlich ihr Geschenk für sie) und werden aktiv.
Nehmen Sie das Pergament und lesen Sie es noch einmal sorgfältig durch. Wenn sie sich ehrlich und offen beobachten, werden Sie feststellen, dass sie viele ihrer Wünsche für völlig unrealistisch halten. Die Unbefangenheit, die sie der Fee gegenüber noch gezeigt haben, ist plötzlich wie weggeblasen. Warum eigentlich? Viele Wünsche sind auch so allgemein gehalten, so wenig konkret, dass es selbst einer Fee schwer gefallen wäre sie ihnen zu erfüllen.
Wählen sie doch einfach einmal einen anderen Weg. Nehmen Sie ein weiteres Blatt Pergament (es kann auch Papier sein) und fangen sie an Ihre Wünsche zu sortieren. Sie können unterschiedliche Kriterien anlegen: Wichtigkeit, Erreichbarkeit etc. Sicher werden auf ihrem Pergament Wünsche auftauchen, wie ein Lottogewinn, ein neues Haus oder ähnlichem. Diese Wünsche sind nicht unmöglich, denn sonst wären sie ihnen nicht eingefallen. Für ihre Erfüllung bedarf es jedoch längerer Vorbereitung und manchmal auch Glück. Denken sie dabei auch daran, ihre Wünsche so konkret wie möglich zu formulieren. Viel Geld, ein lieber Mensch in ihrem Leben und Ähnliches sind zu schwammig.
Wenn Sie sich so einen ersten Überblick über ihre Wünsche verschafft haben, werden sie feststellen, dass für die einfacheren von ihnen gar nicht so viel Aufwand betrieben werden muss. Für die übrigen Wünsche können sie nun anfangen, sich Handlungsstrategien aufzuschreiben, wie sie zu ihrer Erfüllung gelangen wollen. Ich kenne viele Menschen, die von einem großen Lottogewinnen träumen, jedoch noch nie gespielt haben. Hier wäre als Handlungsvorsatz sinnvoll, regelmäßig zum Kiosk zu gehen und den Lottoschein auszufüllen und abzugeben. Ein anderes Beispiel: vielleicht ein geliebter Menschen, mit dem/der man gerne zusammen wäre. Aber dieser andere Mensch weiß nichts von ihnen, weil sie ihn oder sie bisher nicht angesprochen haben.
Machen Sie sich einen konkreten Fahrplan für ihre Fahrt ins Glück. Es ist einfacher als Sie denken. Und mit jeder Wunscherfüllung werden sie selbstsicherer und zufriedener. Bei manchen Dingen haben sie wenig Einfluss, den geringen, den sie jedoch haben, sollten sie konsequent für sich nutzen. Und die Zeit, die es braucht, um einige ihrer Wünsche zu erfüllen, können sie sinnvoll nutzen, sich zum Beispiel an den bereits erfüllten zu erfreuen.
Gelegentlich kommen neue Wünsche auf. Vielleicht erinnern Sie sich noch an die Fee am Anfang unseres kleinen Märchens, welches mittlerweile gar nicht mehr so unrealistisch ist. Weisen sie auch ihre neuen Wünsche nicht gleich von vornherein in das Reich der Illusionen, sondern überlegen sie sich ganz praktisch, wie sie diesen Wunsch erreichen können. Häufig ist es einfacher, als sie glauben.
Habe ich ihnen eigentlich etwas Neues erzählt? Ich glaube nicht. Die meisten Menschen wissen, dass sie ihres Glückes Schmied sind, wie schon das alte Sprichwort sagt. Es wird jedoch häufig durch Alltagsroutine verdrängt, man ergibt sich seinem Schicksal und funktioniert einfach nur noch. Fangen Sie mit kleinen und einfacheren Dingen an, der Erfolg wird auf dem Fuße folgen. Hierdurch gestärkt können sie sich dann den größeren Aufgaben widmen.
Häufig verschieben sich die Prioritäten. Ein lieber Mensch ist mir mehr wert als Millionen auf dem Konto. Und will ich etwas zur Erhaltung der Gesundheit tun, ist ein Fahrrad wichtiger als ein neues Auto. Die Wunschliste befindet sich in einem steten Wandel, so wie das Leben auch. Es werden nur sehr wenige Menschen wunschlos glücklich sein. Dies hat etwas mit dem inneren Wertekanon und dem Grad der Selbstreflektiertheit zu tun. Doch dies ist bereits ein anderes Thema.
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- Ass. jur Frank H. Dürkopf
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