
Keine Zeit, keine Zeit ....
Das sind die Worte, mit denen der Hase in dem Roman Alice im Wunderland immer wieder durch das Geschehen huscht. Ich kenne viele Menschen, die diesem Hasen gleichen. Sie jagen von einem Termin zum anderen, immer gehetzt und getrieben. Junge Mütter mit ihren Kleinkindern zeigen schon derartige Symptome. Für manche Menschen stellt es sogar eine-wie ich meine eingebildete-Lebensqualität dar, ein vermeintliches Zeichen dafür, dass sie sehr gefragt sind.
Ich vermag diesem Treiben nichts besonderes abzugewinnen. Die Krankenstatistiken über nervöses Leiden, die Anzahl der sogenannten burn outs und vergleichbarer Phänomene unseres angeblich so modernen Lebens zeigen allenfalls, wie schädlich und destruktiv es ist.
Eine der Hauptursachen für diese Form des Stress ist meines Erachtens, dass die Menschen nicht bei dem sind was sie gerade tun, sondern gedanklich bereits bei ihrem nächsten Termin, ihrem nächsten date. Obwohl sie genau wissen, dass auch ihre Woche nur sieben Tage und ihr Tag nur 24 Stunden hat, verplanen sie ihre Zeit, als stünde ihnen das Doppelte davon zur Verfügung. Es ist nur einleuchtend, dass sie dabei ständig in Zeitdruck geraten, sich abhetzen müssen und andauernd befürchten müssen, zu spät zu kommen, unangenehm aufzufallen oder wichtige Dinge nicht erledigen zu können.
Und wenn die Menschen dann einmal "frei" haben, können Sie diesen Zustand nicht ertragen und flüchten in die Scheinwelt der Berieselung, des Konsums, der Ablenkung. Wir leben, als wäre unser Totenschein nicht mit der Geburt ausgestellt worden, sondern als hätten wir eine riesige Lebensspanne vor uns.
Es gibt eine ganze Reihe von Techniken, mit denen man sich die Zeit einteilen kann und, entsprechende Disziplin vorausgesetzt, eine hohe Produktivität erreicht. Das ist sicherlich richtig und auch sinnvoll, jedoch nicht alles. Auch hier geht es mir um die Frage, ob dieses Verhalten wirklich Sinn-voll ist. Natürlich setzt das ein Hinterfragen der eigenen Wertmaßstäbe und Lebensführung voraus. Die häufigsten Antriebsmotoren, es allen recht machen zu wollen und die Angst zu haben etwas zu verpassen, gehören meines Erachtens auf den Prüfstand.
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- Ass. jur Frank H. Dürkopf
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